ManuelUSA

Gedanken eines Vaters

Mein Partner und Vater meiner bzw. unserer Tochter hat sich im Rahmen dieser Website einige Gedanken zu seinem persönlichen Weg in den Veganismus und seine Rolle als Vater gemacht und diese niedergeschrieben. Sehr gerne teile ich hier diese schönen (und auch traurigen) Worte…


Hallo, ich bin Manuel

Bezüglich Ernährung wuchs ich auf wie die meisten Kinder. Das heisst ich ass tierische Produkte in allen Variationen, ohne mir je irgendwelche Gedanken darüber zu machen. Wieso sollte ich auch? Schliesslich wurde Zuhause nie darüber gesprochen, was passieren muss, um ein Stück Fleisch auf den Teller zu bekommen. Ich wurde immer gelobt, weil ich ohne zu murren alles aufass, was mir aufgetischt wurde. Das Essen schmeckte mir und ich war glücklich damit.

Anfang zwanzig wurde diese Unbeschwertheit abrupt beendet. Der Grund dafür war ein Film, der das traurige, trostlose Leben der sogenannten “Nutztiere” in all seinen Facetten zeigte. Es war wie ein Schlag ins Gesicht. Natürlich wusste ich bis dahin, dass man Tiere töten muss, damit man eine Wurst essen kann, aber wirklich länger darüber nachgedacht hatte ich nie. Schliesslich wird einem ja von klein auf eingetrichtert, dass Kuhmilch wichtig sei wegen dem Kalzium und Fleisch notwenig, um gross und stark zu werden. Dieser Film über die Nutztierhaltung war einer CD beigelegt, die ich an einem Konzert gekauft hatte. Ich brachte die Bilder nicht mehr aus meinem Kopf. Ich musste etwas unternehmen und wurde Vegetarier. Zwei oder drei Jahre später stieg ich komplett auf vegan um.

Mittlerweile bin ich Vater geworden und will meiner Tochter eine andere Geschichte weitergeben. Meine Tochter soll wissen, dass Tiere sich selbst gehören. Dass wir niemals ein Leben besitzen können. Dass wir kein Recht darauf haben, all jene Tiere, die nicht zur Spezies Mensch gehören, zu unterdrücken und auszubeuten. Ich bin sehr gespannt auf die nächste Generation und hoffe auf eine Bewusstseinsveränderung in der Gesellschaft.

Es gibt Freunde mit denen ich schon etliche Male drüber gesprochen habe, was hinter den Mauern von Schlachthäusern passiert und trotzdem machen sie weiter wie bisher. Am meisten Mühe damit habe ich bei meiner Familie, wahrscheinlich weil mir die Eltern und Geschwister sehr wichtig sind und mir nahe stehen. Von meinen Eltern habe ich gelernt, dass jedes Leben zählt. Sie lehrten mich achtsam zu sein und anderen nichts anzutun, was man auch selbst nicht angetan bekommen möchte. Doch mittlerweile bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass wohl all diese Werte nur im Bezug auf Menschen, oder vielleicht noch auf die Hauskatze oder den Hund, gemeint waren. Wie könnte es anders sein? Wir streicheln den Hund und verschlingen dazu am Mittagstisch eine Wurst. Mit diesem, aus meiner Sicht, zutiefst heuchlerischen Zustand umzugehen, finde ich sehr schwierig! Vor allem bei Menschen, die ich mag.

Ich wurde auch schon gefragt, ob meine Tochter freiwillig vegan isst oder ob sie vegan essen muss. Man könnte die ganze Sache auch mal umdrehen und fragen: Habt ihr eure Kinder gefragt, ob sie damit einverstanden sind, dass man Tiere zwangsbefruchtet, züchtet, ihnen ohne Betäubung Körperteile abtrennt, sie einsperrt, mästet, ihnen die Milch und Eier raubt, den Mutterkühen die Kälber wegnimmt und sie dann anschliessend mit einem Bolzenschuss ins Gehirn ermordet oder mit CO2 vergast? Die Antwort der Kinder ist klar. Sie lautet nein, denn Leid ist Leid, egal wer leidet.

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2 thoughts on “Gedanken eines Vaters

  1. so wahr…. Ich finde es auch schwierig damit umzugehen, wenn man so viel weiss….. Ich finde es am besten wenn man es einfach vorleben kann. Jedes Lebewesen ist wertvoll!

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